Für die Frauen des LK Zug steht die neue Saison in der SPL1 vor der Tür. Die Kreisläuferin Soka Smitran ist die einzige Neue im Kader. Sie soll beim Umbruch helfen.

Michael Wyss | Gleich zum Meisterschaftsauftakt stehen die Zugerinnen, die weiterhin von Damian Gwerder (Trainer) und Peter Stutz (Assistenztrainer) an der Seitenlinie betreut werden, unter Siegesdruck. Am Samstag, 9. September, reist der LKZ zum Aufsteiger Kreuzlingen. Ein Sieg wird erwartet. Doch nach der Verjüngung des Kaders durch die Rücktritte der routinierten Spielerinnen Lynn Schwander und Ariane Geissmann sowie den Wechsel von Annina Ganz (zu Ligakonkurrent Thun) werden die Partien gegen die auf dem Papier vermeintlich schwächeren Gegner keine leichten Hürden mehr darstellen.

Die erfolgreichen Zeiten, in denen sich die Zugerinnen mit Brühl und Spono Eagles um den Meistertitel und Cupsieg duellierten, sind wohl vorbei. Es gilt, kleinere Brötchen zu backen. «Wir wollen die Finalrunde und das Cupfinal-Turnier erreichen», zeigt sich das Trainergespann Gwerder/Stutz bescheiden, aber durchaus realistisch. Die beiden sind schon zu lange im Geschäft, um sich blenden zu lassen. Peter Stutz führt aus: «Das Team hat an Routine verloren, das muss man sich einfach bewusst sein und vor Augen führen. Der LKZ stellt diese Saison ein junges und hungriges Team. Wir wollen dem eigenen Nachwuchs die Möglichkeit geben, sich in der höchsten Liga zu beweisen. Es ist auch nicht unsere Philosophie, wie das andere SPL1-Teams machen, sich mit ausländischen Spielerinnen zu verstärken.» Damian Gwerder ergänzt: «Die Finalrunde und das Final-4-Turnier im Schweizer Cup sind momentan unsere gesteckten Ziele, welche wir verfolgen. Wir nehmen Schritt für Schritt, dann schauen wir weiter.»

«Wir können zum Stolperstein
      für die Grossen werden.» - Soka Smitran

Die Routiniere ist zuversichtlich

Beim Blick auf die Kaderliste sticht die neue Spielerin heraus. Mit Soka Smitran verpflichteten die Verantwortlichen des LKZ eine Spielerin mit Jahrgang 1983 – mit Abstand die Teamälteste. Die Kreisläuferin, die in Buchs AG aufwuchs und ihren Lebensunterhalt als Primarlehrerin verdient, soll das junge Team führen und ihre Skorerqualitäten unter Beweis stellen: «Ich freue mich auf die Aufgabe in Zug. Es ist ein Verein, der schweizweit einen sehr guten Ruf geniesst. Dass wir nicht zu den Titelanwärterinnen in der Meisterschaft und im Schweizer Cup gehören, stört mich überhaupt nicht. Auf dem Papier sind wir Aussenseiter, können dadurch aber auch zum Stolperstein für die ganz Grossen werden.» Die Chancen auf einen Titel seien, wie die Kreisläuferin betont, «durchaus intakt, wenn alle gesund bleiben. Die deutsche Männer-Nationalmannschaft hat an der Europameisterschaft dieses Jahr mit dem Titel gezeigt, was mit der jüngsten Turniermannschaft möglich ist. Ein routiniertes Team ist nicht automatisch ein Garant für den Erfolg.»

Smitran, die mit 11 Jahren die Freude am Handball im Schulsport entdeckte und in der Saison 2013/14 Topskorerin in der SPL1 war, bringt einiges an Erfahrung mit. In der Schweiz spielte sie bei Zofingen und Spono, und auch im Ausland war sie auf höchstem Niveau aktiv. Mit den Spono Eagles gewann sie zwei Mal die Meisterschaft und einmal den Cup. Mit 19 Jahren wechselte Smitran ins Ausland. In Frankreich und Dänemark war die Schweizerin während fast acht Jahren Profi. Ihre Stationen waren Besançon Feminin und Havre (beide Frankreich) sowie Svendborg Gudme (Dänemark).

Sie gewann bei ihrem Engagement im Ausland drei Mal den Cup und wurde Vizemeister in der französischen Meisterschaft. Auch von ihren Einsätzen in der Champions League und im Europacup sollen die ganz jungen Akteurinnen des LKZ nun profitieren können. Smitran legte letzte Saison eine Pause ein und hatte für ihr Comeback noch andere Angebote vorliegen. Warum entschied sie sich für den LKZ? «Ich spürte grosses Interesse an meiner Person, insbesondere Peter Stutz bemühte sich stark um mich. Wir hatten immer Kontakt, auch während meiner Auslandzeit. Er wollte mich unbedingt. Nun hat es endlich geklappt», sagt die sympathische Aargauerin lachend. Was fasziniert sie am Handball? «Die Schnelligkeit, Intuition, Kreativität, Kraft, Leidenschaft, Kampf, Wille, Siege und Niederlagen. Aber auch der Teamgedanke. Gemeinsam etwas zu erreichen, auf ein Ziel hinzuarbeiten. Ein Sport, der doch sehr facettenreich ist und vieles beinhaltet.»

Smitrans Bewunderung

Auf die Frage, ob sie Vorbilder oder Idole habe, sagt die 33-Jährige: «Mein grosses Vorbild war der Basketballer Michael Jordan. Später imponierten mir Sportler wie der Fussballer Zinédine Zidane, der Handballer Stefan Lövgren oder der Eiskunstläufer Jewgeni Plu-schenko.» An den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro war Smitran von der amerikanischen Kunstturnerin Simone Biles fasziniert, der vierfachen Goldmedaillengewinnerin. «Das sind keine Idole für mich, sondern vielmehr grossartige Sportlerinnen und Sportler, die mein Sportlerherz höher schlagen lassen.» Ihre ganz grosse Bewunderung gehört aber «Menschen, die einfach auch Menschen sind. Also Personen, die sich still und oder laut für die Menschheit einsetzen, die Gutes bewegen, die Glück vermitteln und sich für soziale Gerechtigkeit starkmachen, inspirieren mich. Menschen, die sich in ihrer Leidenschaft verlieren, die ihr Wissen und Können weitergeben, die durch eigene Aufopferung anderen helfen und sie weiterbringen in der Erfüllung ihrer Träume und Visionen, das beeindruckt mich.»

Und was ist Smitran selbst für ein Mensch? Sie lacht und sagt: «Meine jüngere Schwester sagt, ich sei mit meiner impulsiven Art nichts für schwache Nerven. Ich kann einen dicken Schädel mit ziemlich scharfen Widderhörnern haben.» Sie hat aber auch eine andere Seite: «Ich bin auch sensibel und hilfsbereit. Das Glück und Wohlergehen meiner Mitmenschen ist mir wichtiger als mein eigenes.»

 


Zugerinnen müssen gewichtige Abgänge verkraften

Handball mwy. Die SPL1-Saison 2016/17 beginnt am 9. September. Die Teams: LK Zug, Yellow Winterthur, HSC Kreuzlingen (Aufsteiger), BSV Stans, LC Brühl, Spono Eagles, DHB Rotweiss Thun, ATV KV Basel. Der Modus ist gleich wie in den vergangenen Jahren.

Die Hauptrunde (Qualifikation) wird mit einer Dreifachrunde ausgetragen (21 Spiele). Die Teams auf den Rängen 1 bis 4 bestreiten anschliessend die Finalrunde (6 Spiele), die Teams auf Rang 5 bis 8 müssen in die Abstiegsrunde. Die Zugerinnen nach den Abgängen von Lynn Schwander und Ariane Geissmann (beide Rücktritt), Annina Ganz (Rotweiss Thun) sowie Lubomir Svajlen (Torhütertrainer, neu bei Brühl) und Orlando Tramonti (Rücktritt als Betreuer, Masseur, Physio) gehen mit neuem Kader und Staff in die kommende Spielzeit.

Torhüterinnen: Marion Betschart (Jahrgang 1994), Laura Innes (89). Feldspielerinnen: Ivana Ravlic (92), Martina Traber (94), Sibylle Scherer (92), Alena Müller (92), Daphne Gautschi (2000), Svenja Stutz (96), Stefanie Javet (95), Nina van Polanen (95), Ria Estermann (93), Laura Masset (93), Yael Gwerder (95), Shanice Kägi (96), Soka Smitran (83, neu, reaktiviert), Sandra Schlatter (92).

Staff: Damian Gwerder (Trainer), Peter Stutz (Assistentstrainer), Christoph Sahli (Athletik), Tobias Hodel (Torhütertrainer, neu), Fabienne Meier (Physio), Florian Wüthrich (Physio).