Der LK Zug verpasst nach der Meisterschaft auch im Cup die Titelverteidigung. Brühl St. Gallen war in allen Belangen besser. Nun kommt es zum Neuaufbau.

Das Verdikt liess am Ende nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig. 26:33 verlor der LK Zug den Cup-Halbfinal gegen Brühl St. Gallen in der Surseer Stadthalle, der aufgrund der Affiche ein vorweggezogenes Endspiel war. «Der Gegner war klar besser. Wir haben uns zu viele Fehlwürfe geleistet. Und wir hatten wenig Unterstützung auf der Goalieposition», bedauerte Trainer Damian Gwerder nach Spielschluss. Angesprochen war Laura Innes, die Torhüterin aus England, die an den grossen Erfolgen der letzten Jahre (3 Meistertitel, 2 Cupsiege) wesentlichen Anteil hatte.

Erst im Januar kehrte sie von einer langwierigen Ellenbogenverletzung zurück, die Ausstrahlung der Unüberwindbarkeit hat sich seither bei ihr aber nicht wieder eingestellt. «Ich habe eine schwierige Saison. Ich bin auf der Suche nach meinem persönlichen Niveau. Ich versuche dem Team zu helfen, doch weil ich nicht halte, was man von mir erwartet, sorge ich für Verunsicherung», hielt die 26-Jährige fest. Und fügte nachdenklich an: «Das ist sehr frustrierend.»

Die Klasse von St. Gallens Bösch

Am Ende kam Innes nur auf eine Abwehrquote von 18 Prozent. Ihr Gegenüber, Sladana Dokovic, schaffte derweil 38 Prozent, ohne über sich hinauszuwachsen. Diese Differenz war ein triftiger Grund für das Scheitern der Zugerinnen. Aber nicht der einzige. Im Verlauf der Partie vermochte sich die Deckung zwar zu steigern. Gegen das Tempo, die Wucht und den Spielwitz der St. Gallerinnen hatte sie insgesamt aber zu wenig Handgreifliches entgegenzusetzen. Herausragend war hierbei Tamara Bösch, die rechte Rückraumspielerin von Brühl. Sie führte ihr Team mit Treffsicherheit und Courage zum Sieg. Und bewies damit, weshalb sie nächste Saison zum deutschen Spitzenklub Leipzig wechseln kann.

Kampflos allerdings gab der LK Zug die Partie nicht her. Nach einem ausgeglichenen Auftakt (8:8 nach 13 Minuten) setzte sich Brühl zwar erstmals auf vier Tore ab (19./9:13). Doch ziehen lassen musste man den Kontrahenten vorderhand nicht – in der 41. Minute gelang Lynn Schwander sogar der Ausgleich zum 20:20. Anstatt den Schwung mitzunehmen, machte sich nun aber der Kraftverschleiss der Aufholjagd bemerkbar. Bis zum 23:24 blieb Zug noch dran (48.), dann aber fehlten Energie und Überzeugung, um auch in der Schlussphase noch dagegenhalten zu können. Die starke Kreisläuferin Ariane Geissmann und die zumindest vom Penaltypunkt tadellose Aufbauerin Sibylle Scherer waren letztlich zu wenige Argumente in der Offensive, um sich auf Augenhöhe mit Brühl zu bewegen.

«Bin nicht so giggerig auf Titel»

Die Zugerinnen werden damit nach der verpassten Titelverteidigung in der Meisterschaft (Rang 3) auch im Cup die Trophäe hergeben müssen. Die Vorherrschaft im Schweizer Frauenhandball ist definitiv beendet. Zumal der Verein mit Geissmann, Schwander (beide Rücktritt) und Annina Ganz (zu Rotweiss Thun) viel Klasse und Routine verliert. Im Sommer beginnt in der Zuger Sporthalle deshalb der Neuaufbau. Nicht mit personellen Zuzügen, wie es die Spono Eagles derzeit handhaben. Sondern mit eigenem Schaffen. «Wir haben viele junge Spielerinnen, die in Zukunft zu viel Spielpraxis kommen werden», erklärt Gwerder. Der Unterbau im Verein stimmt, die U-19-Juniorinnen sind kürzlich Schweizer Meisterinnen geworden. Der Trainer nimmt damit in Kauf, dass die Äpfel für nationale Weihen in den nächsten zwei, drei Jahren zu hoch hängen werden: «Ich bin nicht so giggerig auf Titel, als dass ich jede Saison einen gewinnen müsste.»